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Etwas
verstehen zu können ist unverzichtbarer Kernpunkt im sozialen
Zusammenleben. Ohne Verstehen gibt es nur Missverständnisse. Ein
unversiegbarer Quell von Streit und verpassten Gelegenheiten.
So ist es nur verständlich, dass
wir sehr viel investieren, um gut hören zu können. Doch
gut gehörtes ist noch lange nicht richtig verstanden.
Selbst mit teuersten Hörgeräten
versorgt, kennen wir viele Mitmenschen, die immer noch nicht ausreichend
verstehen. In diesen Fällen
sind meist nicht, die als schlecht angeschuldigten Hörgeräte schuld,
sondern im Gegenteil liefern diese gut funktionierenden Geräte mehr
Signale, als der jetzt wieder besser hörende Betroffene weiterverarbeiten
kann.
Er hat tatsächlich besser
gehört, ist aber mit dem Verstehen überfordert.
Sicherlich gibt es ohne
ausreichendes Hören keine Chance zum Verstehen. Doch die letztlich gut
angelieferten und gehörten Signale sind zunächst nichts anderes als
elementarste, rasche Tonsignale, Tonfolgen, Tonhöhen, Tonlängen,
Tonrhythmen und Töne aus verschiedenen Hörwinkeln.
Das muss vom Gehirn rasch
aufgenommen werden, um aufwendig zu Informationen zusammengesetzt zu
werden.
Es versteht sich, dass je
schneller dieser Umsetzungsprozess geht, desto sicherer kann Gehörtes
verständlich werden. Umso
klarer ist die Entscheidung, was wirklich gemeint war, auch wenn störende
Signale dazwischen gestreut waren. Je
schneller die Aufnahmekapazität ist, desto mehr richtige Signale kann man
zur Entscheidungshilfe gegen die Störsignale anhäufen.
Die Krux ist nur, dass das in der
Kindheit und Jugend erst mühsam erlernte und trainierte
schnellstmögliche Funktionieren
der Verständnisfähigkeit, im Laufe der Zeit wieder an
Verarbeitungsgeschwindigkeit verliert. Wie
hoch die jeweils erreichten Optimal-Werte auf dem Gipfel der
Leistungsfähigkeit sind, ist unterschiedlich. Auch das Nachlassen der
Verarbeitungsgeschwindigkeit ist individuell.
Sicher ist allerdings, dass diese
Verlangsamung der Verständnisfähigkeit jeden trifft.
Die Reserven sind allerdings so
groß, dass dieser Verlust, verdeckt durch parallel erworbene
Alltags-Bewältigungs-Routinen, zunächst nicht weiter auffällt. Doch
irgendwann schneiden sich die Anforderungen des anspruchsvollen Verstehens
mit einer langsam nachlassenden Hörfähigkeit.
Man muss deutlich mehr
angestrengt und konzentriert zuhören und Verständnisfehler häufen sich,
trotz inzwischen teuer angeschafften, hoch technologisierten Hörhilfen.
Es ist also zwingend notwendig
die Prozesse des adäquaten Hörens und des suffizienten zentralen
Hörverstehens, also der Umsetzungsgeschwindigkeit zusammen zu bringen.
So wie der reine Erwerb eines
Sportgerätes noch nicht den Besitz der Fähigkeit dieses angemessen zu
beherrschen, beinhaltet. Das muss erst mühsam erlernt und trainiert
werden.
So wie der Chirurg
erstaunlicherweise im Stundenaufwand technisch Gelenke ersetzt, so müssen
doch, von den Patienten als selbstverständlich akzeptiert, anschließend
über Wochen und Monate so einfache mechanische Vorgänge wie Laufen
wieder geübt und erlernt werden.
Beim Hören und Verstehen sind
diese biologischen Gesetzmäßigkeiten auch nicht anders, werden aber
allgemein ignoriert.
Die Unkenntnis über die
Trainierbarkeit des Gehirns in Bezug auf das Sprachverständnis ist
allgegenwärtig, obwohl es gut erforscht, wissenschaftlich belegt und
technisch gut aufbereitet und apparatetechnisch umgesetzt ist, sowie
erprobt und leicht verfügbar ist.
Autor:
Herr Dr. med. Reinhold Eichler,
Facharzt für Hals- Nasen-Ohren-Heilkunde
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